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Das Kurzgeschichtenportal der Chiemgauseiten: Interview mit Bernhard Straßer
Bernhard Straßer ist Schriftsteller, Journalist und der Gründer der Chiemgauseiten, die neben Informationen zur wunderschönen Region Oberbayerns ein äußerst erfolgreiches Kurzgeschichtenportal enthalten. Die dort veröffentlichten Geschichten zu unterschiedlichen Themen und in unterschiedlichen Stilen wurden von ihm und weiteren Autoren verfasst und werden auch von Schulen und anderen Bildungseinrichtungen im In- und Ausland genutzt.
Herr Straßer nahm sich am 29. Juli 2025 die Zeit für ein Interview mit Geschichten auf Kurs, um uns Einblicke in seine Motivation und Arbeit zu geben.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Kurzgeschichtenportal im Internet anzubieten? Was war Ihre Motivation?
Eigentlich wollte ich nur eine simple Homepage erstellen, um Werbung für mein Romandebüt „Kleinstadtrebellen“ zu machen. Da mir das Basteln an der Webseite ähnlich Spaß machte wie das Schreiben, begann ich auch – sozusagen als Visitenkarte für meine Arbeit – die ersten Kurzgeschichten zu posten. Zunächst ohne große Resonanz. Es war ausgerechnet die Pandemie, die ein wahrer Booster für meine Kurzgeschichten wurde. Denn auf meinen Chiemgauseiten gab es eine der allerersten Corona-Kurzgeschichten. Und da Home-Schooling war, mussten offensichtlich sehr, sehr viele Schüler/innen nach Corona Kurzgeschichten suchen. Google bemerkte das und auf einmal war ich in der Top 5 der deutschen Kurzgeschichten-Portale. Ein echter Glücksfall!
Wie wählen Sie die Themen für Ihre Kurzgeschichten aus, was ist Ihre Inspiration?
Das ist ganz unterschiedlich. Manche Geschichten sind die ganze Zeit schon in mir drin und wollen einfach raus. Manchmal reizt mich eine sogenannte „Versuchsanordnung“ und ich experimentiere literarisch spielerisch, was die Protagonisten in einer bestimmten Situation tun würden. Manchmal ist es auch einfach die Sprache, die eine Geschichte vorantreibt. Gemeinsam haben alle Geschichte nur, dass mich irgendetwas am Thema oder am Inhalt wirklich begeistert.
Wie gehen Sie beim Schreiben einer Kurzgeschichte vor? Wie genau planen Sie diese im Vorhinein?
Ich fürchte, dass die meisten Kurzgeschichten ganz ungeplant entstehen. Ich bin ein Mensch, der nicht „nicht schreiben“ kann. Manchmal gab es aber auch Auftragsarbeiten wie die Kurzgeschichte „Am Zinnkopf“ für den Lichtung-Verlag. Oder auch Kurzgeschichten-Wettbewerbe wie den FM4 Wortlaut, die ein bestimmtes Thema vorgeben.
Wie lange arbeiten Sie durchschnittlich an einer Kurzgeschichte?
Das ist relativ. Bei mir ist der Schreibprozess relativ kurz. Aber die Tage, Wochen, Monate, in denen sich die Geschichte bereits in meinem Unterbewusstsein entwickelt hat, die kann man natürlich schwer messen.
Wie oft überarbeiten Sie durchschnittlich eine Kurzgeschichte, bevor Sie diese auf Ihrer Website veröffentlichen?
Es gibt immer einige Texte, die zwei, drei Überarbeitungsprozesse oder auch mehr durchlaufen haben. Aber meine Schwäche ist, dass ich den Überarbeitungsprozess so anstrengend finde wie ich den Schreibprozess liebe. Ich bewundere die Autoren, für die beim Überarbeiten der Spaß erst beginnt.
Wie gehen Sie vor, wenn Sie bei einer Kurzgeschichte einmal nicht weiterkommen?
Ganz ehrlich? Dann ist die Kurzgeschichte erledigt. Entweder sie funktioniert, oder halt nicht. Bei einem Romanprojekt ist das natürlich etwas anderes. Aber bei Kurzgeschichten bin ich da gnadenlos.
Sie schreiben auch Romane. Worin besteht für Sie beim Verfassen (außer der unterschiedlichen Länge) der entscheidende Unterschied?
Ich denke, der größte Unterschied ist die emotionale Bindung, die man zu einem längeren Projekt aufbaut. Das liegt aber einfach daran, dass ich mit meinen Romanfiguren gleich mehrere Jahre gedanklich verbringe. Und ein Kurzgeschichtenprojekt dann doch rasch abgeschlossen ist. Beim Romanschreiben kann man sich auch mal ein paar Längen leisten, weshalb das Schreiben einer gelungenen Kurzgeschichte vielleicht sogar etwas schwieriger ist als ein Romankapitel.
Haben Sie vielen Dank für das interessante Interview, Herr Straßer! Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg – und vor allem viele Besucher!
Sie lesen gerne Kurzgeschichten? Dann schauen Sie auf dem Kurzgeschichtenportal der Chiemgauseiten vorbei.
Sie schreiben Kurzgeschichten und suchen einen Lektor? Dann sind Sie bei mir richtig.
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